Seit kurzem hat das Hamburger Unternehmen farbenmeer GmbH einen neuen Dienst ins Leben gerufen, der Location Based Services in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt – spreet.it. Im Prinzip geht es darum, über eine Online-Plattform mit seiner direkten Umgebung zu kommunizieren – oder wie es der Titel dieses Artikels schon sagt – einfach mal etwas online aus dem Fenster zu rufen. Das klingt zunächst einmal ziemlich profan und sinnlos, aber bei näherer Betrachtung ergeben sich sowohl für Privatleute als auch für Unternehmen neue Wege, mit ihrer direkten Umgebung – der Nachbarschaft – in Kontakt zu treten.
Der Dienst besteht im Wesentlichen aus einer Karte der näheren Umgebung seines momentanen Standorts, welcher über die Geolocation API moderner Browser versucht wird zu ermitteln. Es stehen einem dann zwei Kernfunktionen zur Verfügung. Zum einen eine Art Shoutbox, mit der man Nachrichten in die Nachbarschaft hinausposaunen und zum anderen Antennen, mit denen man gezielt bestimmte Gebiete “überwachen” kann. Zum Senden einer Nachricht – in der Plattform-Terminologie “Shout” genannt – klickt man einfach auf einen Button und gibt die Nachricht ein. Dabei kann man den Punkt, von dem die Nachricht gesendet werden soll einfach durch ziehen des Pointers mit der Maus festlegen und optional einen Dateianhang hinzufügen. Weiterhin lässt sich die Nachricht mit Tags versehen und ein Wirkungskreis zwischen 200m und 1km einstellen – und das war es auch schon. Mit einer Antenne lassen sich die angezeigten Nachrichten einfach auf ein bestimmtes Gebiet eingrenzen. Auch dabei ist der Radius, analog zu einem Shout, einstellbar.
Die Anwendungsfälle dieses Tools liegen auf der Hand. Bisher hatte man kaum Möglichkeiten, über das Internet mal kurz in der Nachbarschaft nach einem Paket Zucker oder einem großen Blumentopf zu fragen – etwas, das man in der Twittersphere als followerpower bezeichnen würde. Auch wenn man gerade dabei ist, seinen Keller aufzuräumen und vielleicht dabei einige Sachen findet, die man ansonsten ggf. teuer entsorgen müsste, kann man dies nun kurz in die Nachbarschaft rufen und eventuell kommt einige Minuten später jemand vorbei und holt die betreffende Sache ab. Ebenso können lokale Unternehmen den Dienst nutzen – so könnte zum Beispiel der Dönerladen um die Ecke, bei dem kurz vor Feierabend der Drehspieß noch übervoll ist, kurz mal den näheren Umkreis davon informieren, das es jetzt Döner zum halben Preis gibt – getreu dem Motto “Alles muss raus, bevor ich es wegwerfe”.
Das Bemerkenswerte an diesem Dienst finde ich, das man es hinbekommen hat, durch gezielte Eingrenzung des Wirkungsbereiches die Möglichkeiten der Nutzung zu erweitern, ja sogar eine neue Art der Internetnutzung zu ermöglichen. Mich erinnert das ein bisschen an ein Zitat frei nach Albert Einstein, in dem er sinngemäß sagte: “Jeder intelligente Idiot ist in der Lage, die Dinge größer und komplexer zu machen – nur die wenigsten sind in der Lage, sie zu vereinfachen.”
Bisher existiert nur eine Weboberfläche für Desktop-Browser, aber in einem Blogartikel erklären die Betreiber auch die ziemlich einleuchtenden Gründe hierfür. Demnach ist eine mobile App aber bereits in Arbeit und ein API wird hoffentlich auch nicht lange auf sich warten lassen. Da schließlich nicht jeder den ganzen Tag vor dem Rechner sitzt und die Umgebung beobachtet, sind Push-Benachrichtigungen auf mobile Geräte und die Integration in andere Produkte wohl ein entscheidender Faktor für den langfristigen Erfolg der Plattform. Ich sehe jedenfalls ein großes Potential in der Sache – und ihr?

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